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Prävention sexualisierter Gewalt im Sport

 


1. Hintergrundinformation zu sexualisierten Gewalt

 

Definition: Der Begriff sexualisierte Gewalt ist im Volksmund selten. Begriffe wie „sexuelle Gewalt“, „sexueller Übergriff“ oder „sexueller Missbrauch“ werden von Medien und Ratgebern häufiger verwendet. „Sexualisierte Gewalt“ beschreibt verschiedene Formen der Machtausübung mit dem Mittel der Sexualität. Im Strafgesetzbuch (StGB) wird dieses Problemfeld anders definiert, hier geht man von Nötigungen oder erzwungene sexuelle Handlungen aus(§177, Abs. 1). Allerdings muss man auch sexuelle Belästigungen mit in die Definition einbeziehen. Fotos, Anmerkungen, Gesten etc. mit oder ohne Körperkontakt werden als sexualisierte Gewalt verstanden.

 

Ausmaß: Bei einer repräsentativen Befragung in Deutschland, gaben 13% der Frauen an seit ihrem 16.Lebensjahr schon einmal Formen sexualisierter Gewalt erlitten zu haben. Man kann nur annehmen welches Ausmaß im Kinder und Jugendbereich erreicht wurde. Jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder neunte bis zwölfte Junge haben, nach Aussagen nicht represäntativer Umfragen, vor dem 18. Lebensjahr Formen der sexualisierten Gewalt verspüren müssen. 

 

Täter/-innen: Es trifft zu, dass sexualisierte Gewalt häufiger von Männern als von Frauen ausgeübt wird. Allerdings müssen die Tätergruppen unterschieden werden. Täter üben mittels der Sexualität verschiedene Formen der Macht aus. Handlungsleitend ist nicht immer ein sexuelles Bedürfnis, sondern das Streben nach Unterwerfung des Opfers. Dennoch ist auch die sexuelle Ausrichtung Erwachsener(sog. „Pädophil“) häufig der Auslöser sexualisierter Gewalt. Die Gruppe Erwachsener, deren primäre sexuelle Orientierung auf Gleichaltrige/Erwachsene ausgelegt ist, ist nicht zu vernachlässigen. Oft suchen diese „Ersatzpartner“(Die Kinder). Immer wieder vergessen wird die sexualisierte Gewalt unter Kinder und Jugendlichen(sog. „Peer-Gewalt“). Diese Übergriffe sind kaum messbar, da sie oft bagatellisiert werden bzw. nicht angezeigt werden.

 

Täter/-innen kommen oft aus folgenden Bereichen:

Familie

Nachbarschaft

Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit (z.b. Sportvereine)

Betreuungseinrichtungen

 

Formen sexualisierter Gewalt im Sport: Es gibt keine belastbaren Zahlen zur Häufigkeit sexualisierter Gewalt im Sport. Dennoch ist zu bejahen, dass Übergriffe jeglicher Form oft im Bereich des Sports vorkommen. 

Im Sportbereich gibt es verschiedene Formen sexualisierter Gewalt:

ÜL die in Dusch- und Umkleidekabinen eintreten, bei Hilfestellungen den Intimbereich berühren

Anzügliche Bemerkungen über Figur und Aussehen von Sportlern

Trainingsgruppen, in denen sexistische Sprüche und Witze die Atmosphäre bestimmen

Schwere Fälle von sexueller Nötigung durch Trainer sind auch bekannt


2. Prävention von sexualisierter Gewalt im Sportverein

 

Zunächst gilt, dass jedes Opfer von sexualisierter Gewalt eines zu viel ist!

 

Im Sport begünstigen folgende Faktoren sexualisierte Gewalt:

Nichtbeachtung oder gar Tabuisierung der Thematik

Geringe Kontrolle von Trainer/-innen durch Vereine und Verbände

Fehlende Definitionen zur geforderten Eignung von Trainer/-innen

Transparenz zwischen Trainer/-innen untereinander und gegenüber Eltern, um gemeinsame Konzepte und Wertevorstellungen zu formulieren

 

Im Folgenden werden Maßnahmen genannt, die zur Prävention solch grausamer Fälle dienen können. 

 1. Sexualisierte Gewalt enttabuisieren und sensibilisieren 

Wenn der Verein/Verband sich nicht darum kümmert, dass dieses Thema aufgegriffen und behandelt wird, haben Täter/-innen leichter die Möglichkeit zu handeln und fühlen sich auch nicht eingeschränkt in ihren Taten. Darum ist es wichtig sowohl intern, als auch extern(Mit Eltern und Kindern) dieses Thema anzusprechen. Somit wird die Grundbasis von Vertrauen geschaffen. Kindern und Eltern wird es somit leichter gemacht etwaige Vorfälle oder Verdacht sofort weiterzugeben. Je früher auf das Thema aufmerksam gemacht wird, desto besser. Hierfür kann man jegliche Form von Gewalt, ob körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt schon im Leitbild bzw. in der Satzung des Vereins/Verbands ansprechen und verbieten. Auch die Benennung eines Beauftragten UND einer Beauftragten machen deutlich, dass der Verein/Verband sich mit dem Thema auseinandersetzt und vermittelt Eltern und Kindern einen ersten Ansprechpartner bei Fragen, Verdächtigungen oder gar Vorfällen. 

2. Wissen und Handlungskompetenzen entwickeln 

Darunter fallen nicht nur Fort- und Weiterbildungen, sondern auch Vereinsinterne Gespräche, z.b. bei Vereinssitzungen. Hier kann das Thema aufgegriffen werden und ÜL und Trainer können durch den Austausch Fragen klären und Unsicherheiten beiseiteschaffen.

3. Transparente sportliche Aktivitäten 

Eine Kultur der Aufmerksamkeit fördert die Prävention. Es gibt verschiedene Möglichkeiten diese Transparenz zu schaffen:

Offene Sportaktivitäten (Anwesenheit der Eltern gestattet)

Offene und rege Zusammenarbeit mit Kollegen/-innen 

Häufige und offene Kommunikation mit Eltern

Erarbeitung eines Verhaltensleitfadens (Regelungen der Dusch- und Umkleidesituation etc.)

4. Stärkung der Jungen und Mädchen 

In diesem Bereich sind folgende Aspekte zu beachten: Kinder müssen altersgerecht aufgeklärt werden. Sie müssen sich im klaren sein, wie sich Erwachsene ihnen gegenüber Verhalten dürfen und auch wem Sie sich anvertrauen können, falls etwas vorfällt. 

5. Eignung von Mitarbeiter/-innen

Die Sportjugend empfiehlt eine Überprüfung der Mitarbeiter. Hierfür kann das erweiterte Führungszeugnis hinzugezogen werden. 

Informationen über und zum Umgang mit dem erweiterten Führungszeugnis finden sie in unserer Rubrik "Erweitertes Führungszeugnis im Sport".

 

Interessante Links:

DSJ Handlungsleitfaden zur sexualisierten Gewalt im Sport

Broschüren der Badischen Sportjugend

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