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Erweitertes Führungszeugnis im Sport

 

 

Die Bayerische Sportjugend Nürnberg setzt sich mitunter dafür ein, sexualisierte Gewalt im Sport zu vermeiden. Genauere Informationen zur sexualisierten Gewalt im Sport und ihrer Prävention finden sie in unserem Bereich "Prävention vor sexualisierter Gewalt"

In diesem Bereich möchten wir darüber informieren, in welcher Form das erweiterte Führungszeugnis in Sportvereinen eingesetzt werden sollte und welche Vorteile es hat.

 

Zum Hintergrund:

 

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein hoch brisantes und problematisches Thema. Der Sport ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. So wie sexualisierte Gewalt in allen gesellschaftlichen Bereichen vorkommt, so begegnen uns Grenzverletzungen, sexualisierte Übergriffe und sexueller Missbrauch leider auch im Sport. Zum Glück sind es bedauerliche Einzelfälle und in der überwältigenden Mehrheit werden Kinder und Jugendliche sicher und wertschätzenden in den über 220 Sportvereinen auch in Nürnberg betreut. Die unzähligen Übungs- und Jugendleiter/-innen sind sich ihrer großen Verantwortung bewusst und werden bereits in ihrer ehrenamtlichen Ausbildung für das Thema sensibilisiert. 

 

Dennoch: Täter und Täterinnen suchen gezielt Situationen, in denen sie auf leichte und unkomplizierte Weise Kontakte mit Kindern und Jugendlichen aufbauen können. Die körperliche und emotionale Nähe, die im Sport entstehen kann, birgt die Gefahr, dass sich Täter/innen genau mit dieser Intention in Sportvereine begeben. 

 

Die Formen sexualisierter Gewalt im Sport unterscheiden sich nicht von den Formen in anderen Bereichen. Im Sport gibt es jedoch Faktoren, die sexualisierte Gewalt begünstigen können, z. B.:

 

die sportlichen Aktivitäten per se, da diese sehr körperzentriert sind,

der Körperkontakt, der oftmals nötig ist,

die spezifische Sportkleidung,

die "Umzieh- und Duschsituationen",

die Rahmenbedingungen, wie Fahrten zu Wettkämpfen mit Übernachtungen.

 

Das Besondere an Sportvereinen ist darüber hinaus die Tatsache, dass es oft Situationen gibt, in denen Trainer/-innen und Sportler/-innen alleine sind, beispielsweise nach dem Spiel in der Halle oder bei zusätzlichem Einzeltraining. Durch diese abgeschirmten Situationen ohne Zeugen kann der/die Täter/-in die Handlung einfach leugnen oder die "Schuld" dem Opfer zuweisen. Wichtig ist deshalb eine hohe Sensibilität und Wachsamkeit gegenüber jeglichen Vorkommnissen, die auf mögliche sexualisierte Grenzüberschreitungen schließen lassen. 

 

Verunsicherung und Überforderung sind oftmals die Gründe dafür, dass Beschwerden oder Verstöße innerhalb des Vereins nicht angemessen bearbeitet und manchmal sogar abgeblockt werden. Doch dies wiederum erleichtert Täter/-innen den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen. Gefragt ist daher eine Kultur der Aufmerksamkeit und des Handelns - denn nur so können wir im organisierten Sport ein Klima schaffen, das Betroffene zum Reden ermutigt und gleichzeitig potentielle Täter/-innen abschreckt. Denn außer Frage steht: Sportvereine sollen sichere Orte für alle Mädchen und Jungen sein! 

 

Was hat es nun mit dem erweiterten Führungszeugnis auf sich:  Führungszeugnisse werden von verschiedenen privaten und öffentlichen Stellen angefordert. Sie dienen als Nachweis, dass jemand nicht vorbestraft ist. Straftaten werden in Deutschland zentral beim Bundesamt für Justiz in Bonn in einem Strafregister erfasst und je nach Schwere der Straftat eine gesetzlich geregelte Zeit gespeichert. Der Antrag auf ein Führungszeugnis kann bei der jeweiligen Meldebehörde (in Nürnberg beim Einwohneramt oder bei den Bürgerämtern) gestellt werden. Bei den Führungszeugnissen unterscheidet man: 

 

• Führungszeugnis für private Zwecke oder Behörden oder 

• Erweitertes Führungszeugnis

 

Das erweiterte Führungszeugnis stellt nach § 30 a Bundeszentralregistergesetz (BZRG) einen Auszug aus dem Strafregister dar und betrifft Personenkreise, die in kinder- und jugendnahen Fachbereichen arbeiten beziehungsweise dort arbeiten sollen. Es hat die Funktion eines Hilfsmittels der Gefahrenabwehr, mit dem es dem Verein möglich ist, Auskünfte über seine hauptberuflichen oder ehrenamtlichen Mitarbeitenden einholen zu können. Nach § 30 Abs. 1 BZRG kann

jede Person nach Vollendung des 14. Lebensjahres auf Antrag ein Zeugnis über den sie betreffenden Inhalt des Zentralregisters erhalten (Führungszeugnis). 

 

Was sind die rechtlichen Grundlagen?

 

Bei dem erweiterten Führungszeugnis handelt es sich um ein Instrument für solche Personengruppen, die in kinder- und jugendnahen Bereichen tätig sind oder tätig sein sollen. Die Gesetzgebung hat im Rahmen des § 30 a BZRG explizit den Bezug zu § 72 a Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII) hergestellt und auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Personenkreis einbezogen. Diese Ausdehnung des Führungszeugnisses hat zur Folge, dass fortan auch bestimmte Straftaten im minderschweren Bereich im Führungszeugnis zu sehen sind. Dies sind die Straftatbestände, die im § 72 a SGB VIII aufgezählt sind. Das erweiterte Führungszeugnis informiert aber nur über faktische Verurteilungen, die auch entsprechend einschlägig sind. Eingestellte Verfahren, laufende Ermittlungsverfahren oder Verfahren, die mit Freisprüchen beendet wurden, finden im erweiterten Führungszeugnis keine Berücksichtigung. Den Sportvereinen steht die Möglichkeit offen, von einem Mitarbeitenden die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses zu verlangen. Eine rechtliche Verpflichtung ist nur im Rahmen des § 72 a SGB VIII für den Bereich der Träger der öffentlichen Jugendhilfe (z.B. Gemeinden, Städte, Landkreise oder andere kommunale Gebietskörperschaften) geregelt. Durch Vereinbarungen mit Trägern der freien Jugendhilfe sowie den Vereinen (also z.B. mit den Sportvereinen) sollen die Träger der öffentlichen Jugendhilfe (in Nürnberg das Jugendamt) sicherstellen, dass keine einschlägig vorbestraften Personen beschäftigt werden. Diese Übereinkünfte richten sich nach dem Bundeskinderschutzgesetz (BuKischG). 

 

Was muss beim Umgang mit dem Führungszeugnis beachtet werden?

 

Im Zuge der Einsicht in das Führungszeugnis erhält der Verein umfangreiche Informationen über die jeweilige Person. Deshalb sind hier besondere Anforderungen im Rahmen des Datenschutzes zu beachten. Sollte nach einer Überprüfung aufgrund des Führungszeugnisses eine Zusammenarbeit nicht zustande kommen, so dürfen die Daten der jeweiligen Person nicht gespeichert werden. Für den Fall, dass nach der Durchsicht eine Tätigkeit aufgenommen wird, dürfen das Ausstellungsdatum und das Datum der Einsichtnahme des Zeugnisses gespeichert werden. Der Verein hat nur ein Recht zur Einsichtnahme und bekommt weder eine Kopie noch das Original des Führungszeugnisses. Die Daten dürfen nur von den Personen eingesehen werden, die vom Träger zur Einsichtnahme beauftragt worden sind (z.B. die bzw. der Vereinsvorsitzende oder die Geschäftsführung). Spätestens drei Monate nach Beendigung des Engagements müssen die gespeicherten Informationen zum Führungszeugnis gelöscht werden.


Welche Empfehlung gibt die Sportjugend?

 

Es ist zunächst wichtig festzustellen, dass allein die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses keine Garantie für die Einhaltung des Kinder- und Jugendschutzes darstellt. Die Sportvereine sollten nicht alleine auf das Führungszeugnis vertrauen, sondern dieses kann nur ein Teil eines Gesamtkonzepts zur Prävention sexualisierter Gewalt im Sportverein sein. Verantwortliche in den angesprochenen Bereichen werden aber dadurch in ihrem Bewusstsein geschärft, dass sie eine äußerst verantwortungsvolle Aufgabe im Verein übernehmen und sich für diese zunächst ausweisen müssen. Die Sportjugend und auch der BLSV befürworten bei der Gruppe der hauptberuflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden, deren Aufgabenbereich auch Maßnahmen umfasst, an denen Minderjährige teilnehmen sich ein Führungszeugnis vorlegen zu lassen. Der Schutz von Minderjährigen muss an erster Stelle stehen. 

 

Wie ist die Regelung konkret für Nürnberger Sportvereine?

 

Wie bereits beim außerordentlichen BLSV-Kreistag angekündigt wird das Jugendamt der Stadt Nürnberg alle Sportvereine zu dem Thema „Vorlagepflicht von erweiterten Führungszeugnissen nach §72 a SGB VIII“ anschreiben. Ziel ist es, dass Vereinbarungen mit  a l l e n  Vereinen geschlossen werden, um sicherzustellen, dass einschlägig vorbestrafte Personen keine Kinder- und Jugendlichen in Sportvereine betreuen.  Einige Vereine habe diese Vorgehensweise bereits vor dem Abschuss einer Vereinbarung als Qualitätskriterium im Verein umgesetzt. Ausstellungskosten entstehen im Übrigen für Ehrenamtliche in Sportvereinen nicht. Auf Antrag wird die Gebühr erlassen, auch wenn der Übungsleiter/-in z.B. eine steuerfreie Aufwandsentschädigung erhält. Weitere Fragen hierzu beantwortet gerne die zuständige Mitarbeiterin im Jugendamt, Frau Gerda Steinkirchner (Tel.: 0911/231-2294) oder Michael Voss von der Sportjugend Nürnberg (Tel.: 0911/455880).

 
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